Horror am Traumstrand. Tourist beim Baden von Hai zerfleischt. Das Monster aus der Tiefe.

Von am 26. März 2014 in Aktivitäten, Allgemein, Reisen

Aus gegebenem Anlass fühle ich mich dazu veranlasst dem teuflisch bösen Monster aus den tiefsten Meerestiefen hier meine Stimme zu leihen. Vor einigen Tagen wurde ein Österreicher in Port St. Johns, Südafrika, beim Schwimmen im hüfttiefen Wasser von einem Hai gebissen. Die Ehefrau musste den Todeskampf des geliebten Gatten vom Strand aus mitansehen. Hilflos. Es ist bereits die achte tödliche Hai-Attacke, die seit 2007 (!!!) registriert wurde.

So titeln zumindest alle Klatsch– und Tratschblätter, online und in Farbe.

Warnung, Hai, Südafrika

Wer allerdings an Orten wie Port St. Johns (weltweit einer der gefährlichsten Strände) trotz aller Warnschilder und -hinweise ins Wasser geht, handelt auf eigenes Risiko. In diesem Sinne SSKM. Selber Schuld, kein Mitleid!

Ich gehe ja auch nicht auf Safari und steige neben einem Rudel Löwen aus dem Jeep und lege mich dort zu ihnen in die Sonne?! Oder schippere in einem kleinen Kanu über einen Fluss, obwohl dort Krokodile vorkommen?!

Angstzination Hai

Kein anderes Tier wird weltweit so sehr gefürchtet wie der Hai. Und Hollywood hat glamourös seinen Beitrag dazu geleistet. Horrorfilme wie „der Weiße Hai“ oder „Deep Blue Sea“ tragen nicht gerade zur Imageverbesserung der Tiere bei. Doch wider der menschlichen Phantasie wachen Haie nicht morgens auf und denken sich:

„Hm, heut hätt ich mal Lust auf Homo Sapiens!“

Sie haben weder Mordgelüste noch sonstige böse Absichten uns Zweibeinern gegenüber. Der Weisse HaiWir stehen ja nicht mal auf ihrer Speisekarte. Haie fressen Muscheln und Krebstiere, andere große Fische und Säugetiere wie Robben. Die größten Haie (Walhai, Riesenhai und Riesenmaulhaie) ernähren sich vorzugsweise von Plankton.

Auch hat ein Hai noch nie (!) tatsächlich einen Menschen „gefressen“. Es klingt etwas komisch, aber eigentlich gönnen sie sich nur einen Bissen. Doch sobald sie merken (oder schmecken), dass es sich nicht um Beute handelt, spucken sie den Menschen wieder aus und lassen von ihm ab. Es gibt in dem Sinne also keine Hai-ANGRIFFE. Es sind UNFÄLLE und diese enden nicht immer tödlich. Wenn allerdings doch, dann weil die Verletzungen zu groß sind und man verblutet. Nicht weil der Hai einen frisst. Außerdem passieren solche Hai-Unfälle meist in ihren Jagdrevieren, dort wo es viel Nahrung für sie gibt und wo sie jagen. Dass es dort zu unglücklichen Verwechslungen kommen kann, dürfte verständlich sein.

Die Meere sind nun einmal Heimat dieser wunderbaren Raubfische. Ich sage wunderbar, da ich selber bereits auf Tauchgang mit kleineren und größeren Exemplaren war. Sogar dem Großen Weißen, wie der Weiße Hai auch oft betitelt wird, bin ich unter Wasser begegnet. Zwar im Käfig, doch das Erlebnis so ein faszinierendesTier in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten, ist einzigartig.

Gepokert wird im Casino

Und ja, auch ich hatte früher immense Panik vor diesen „mutwillig, bösartigen Raubtieren der Meere“. Ich wollte nie weiter als nicht mal hüfttief ins Wasser, schon gar nicht auf einer Luftmatratze. Das kam mir in Gedanken einem Selbstmordkommando gleich. Am Strand in Caorle, Italien, wohlbemerkt. Aufgeklärt und die Angst genommen hat mir dann mein erster Tauchlehrer in der Dominikanischen Republik (auf etwas unsanfte Art und Weise vielleicht, doch darüber lässt sich streiten). Doch genau da liegt das Problem. Der Schwarm, Frank Schätzing, Buchtipp, Ozeane, Weltall, Hai

Es fehlt an Aufklärung, an Wissen und richtiger Information. Wir Menschen wissen weit aus mehr über das Weltall als über die Tiefen und Geheimnisse des Ozeans und seiner Bewohner.

(Für alle die es interessiert hier ein spannender Buchtipp: Der Schwarm von Frank Schätzing)

Haie sind weder Bestien noch Menschenfresser, werden aber so dargestellt und haben deshalb so einen schlechten Ruf. Völlig zu Unrecht, wenn man Rob Stewart (Regisseur ‚Sharkwater‘) Glauben schenken darf. Er meint, dass die Haie in Wirklichkeit Angst vor dem Menschen haben und nur extrem selten Menschen beißen. Pro Jahr würden nur 5 Menschen aus Unachtsamkeit von einem Hai getötet.

Im Vergleich dazu sterben pro Jahr aber 100 Menschen durch Elefanten, 2400 durch Hinrichtungen, 1,2 Millionen durch Verkehrsunfälle und 8 Millionen am Hungertod. Es sterben sogar mehr Menschen durch umfallende Getränkeautomaten!

Die Tiere sind neugierig, kommen eventuell auch mal näher, doch nie wirklich in Reichweite. Die Luftblasen beim Tauchen wirken zum Beispiel sehr abschreckend auf sie. Anders ist die Situation beim Surfen. Da könnte es schon eher zu einem Mißverständnis kommen. Doch bin ich mir dabei immer der „Gefahr“ von unten unbewusst bewusst.

Ich persönlich surfe nicht an Stränden, die als „haiverseuchte Gewässer“ ausgeschrieben sind. Ich gehe dort auch nicht baden. Nicht mal mit der kleinen Zehe. Doch das hat nichts mit Angst zu tun. Eher mit Respekt. Und ich bin kein Freund von Selbstmord auf Raten. Ich pokere lieber im Casino als im Meer um mein Leben. Dafür hänge ich zu sehr daran.

Gejagte Jäger. Wenn die Haie sterben, stirbt das Meer

Und in weiterer Folge der Mensch. Sie stehen unter Wasser an der Spitze der Nahrungskette und tragen wesentlich zur Erhaltung des biologischen Gleichgewichts bei. Doch das beginnen wir Menschen erst allmählich zu begreifen. Fast zu spät, bedenkt man, dass das Meer als größtes Ökosystem der Erdat your risk, Hai, Warnung, Surfe bereits zu bröckeln begonnen hat. Weltweit. Alles Folgen der Ausrottung der Haie.

In vielen Meereszonen gibt es bereits ökologisch tote bzw. veränderte Gebiete, wegen Überfischung der Haie. Haifischflossensuppe zum Beispiel gilt in vielen asiatischen Ländern als Delikatesse und liegt voll im Trend. Shark Finning stellt also eine durchaus lukrative Einnahmequelle dar.

Die Ausrottung der Haie erfolgt im großen Stil.

Aber im Verborgenen.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Wir sind uns bewusst, dass die Regenwälder unserer Erde eine wichtige Rolle in Bezug auf unser Weltklima spielen. Was viele aber nicht wissen ist, dass zwei von drei Atemzügen Sauerstoff, den wir so bedenkenlos zu uns nehmen, im Meer produziert werden. Stirbt der Hai, vermehren sich seine Beutetiere. Es würde zu einem großen Rückgang des Planktons kommen, dass immerhin gut 50 Prozent unseres Sauerstoffes in unsere Atmosphäre produziert. Brechen die Nahrungsketten unter Wasser zusammen, würde das also zu einer Reduzierung des Planktons führen. Folglich würde das eine Reduzierung des Sauerstoffgehaltes ergeben, was wiederum Menschen und alle anderen auf Sauerstoff angewiesenen Organismen stark beeinflusst.

Das Ende einer fast 500 Millionen alten Entwicklung scheint ebenso absehbar wie die dramatischen Folgen für das Ökosystem Meer.

Der bekannte südafrikanische Haischützer Andrew Cobb formulierte es sehr treffend: Wenn die Haie sterben, stirbt das Meer. Wenn das Meer stirbt, werden wir folgen!“

Australien hat sie wieder zum Abschuß freigegeben. Doch das Töten der Haie schützt den Menschen nicht. Es sind keine Killermaschinen. Es sind schutzbedürftige Lebewesen. Und dass wir sie schützen müssen, steht außer Frage.

                            

Das Mysterium Weißer Hai.

Er ist der wahre König der Meere.

Nicht Leonardo DiCaprio.

 

Eure, sich-für-den-Schutz-der-Haie-engagierende Lisa

                    

PS. Wenn ihr mir nicht glauben wollt, seht selber:

Sharkwater – Wenn Haie sterben.
http://www.youtube.com/watch?v=CI1YBCMqbik
„Ungewöhnliche Titelhelden in einer spannenden und bewegenden Geschichte: Der faszinierende, in Atem beraubend schöne Bilder umgesetzte Film SHARKWATER ist weit mehr als nur eine qualitativ herausragende Dokumentation. Elegant verbindet er Schönheit und Grausamkeit des Lebens im Ozean miteinander.
Regisseur Rob Stewart, Fotograf, Taucher und passionierter Hai-Kenner, wollte mit den Vorurteilen aufräumen, die Menschen gegenüber Haien haben. So zeigt SHARKWATER in berauschenden Aufnahmen diese außergewöhnlichen und vollkommen friedlichen Tiere in ihrem zunehmend eingeschränkten, bedrohten Lebensraum.
Doch aus dem Film, der vor allem die Schönheit des Meeres einfangen wollte, wurde ein rasanter Abenteuer- und Actionfilm. Denn die Fischerei-Industrie zahlloser Länder ist stets auf der Jagd nach Haien, diesen majestätischen Kampfmaschinen der Meere ­ das heißt eigentlich nur nach ihren Flossen. Als Bestie verflucht, als Delikatesse begehrt, haben die Haie keine Lobby. Ihre Bestände haben sich in den letzten Jahren bereits drastisch dezimiert.
Während der Dreharbeiten gerieten Regisseur und Crew immer tiefer in ein lebensgefährliches Netz aus Kriminalität und Naturzerstörung, dessen fatale Folgen bereits deutlich sichtbar sind. Stewart betreibt in dem grandios bebilderten SHARKWATER nicht nur Aufklärungsarbeit über Wesen und Natur der Haie. Seine großartige, packend erzählte Dokumentation ist auch ein eindringliches Plädoyer für eine Neudefinition der Beziehung zwischen Mensch und Tier.“
Mehr Infos unter: www.sharkwater.de

Allgemeine Infos zum Thema Hai:
http://www.sharkproject.org/haiothek/index.php

A surfer’s defence of the great white shark:
http://www.abc.net.au/news/2014-01-03/carmody-in-defence-of-the-great-white-shark/5183396