Der leise Abgang des scharfen „S“ – oder wie die Rechtschreibung mit „Füssen“ getreten wird

Von am 6. März 2014 in Allgemein

„Mayonnaise“ – Wie schreibt man das jetzt gleich? Majonäse? Nicht zu Unrecht heißt es: deutsche Sprache – schwere Sprache!

In dem Urwald aus Rechtschreibreformen, Neuerungen, Änderungen und Vereinfachungen verliert man schnell den Überblick! Sollten diese Neuerungen, Änderungen und Vereinfachungen uns das Schreiben nicht vereinfachen? Weniger ist oftmals mehr. In diesem Fall nicht unbedingt. Mehr Änderungen für mehr Vereinfachung,  gleich zu viele Neuerungen und zu viel Kompliziertheit?

Warum also passieren so viele Fehler?bub fenster lesen monochrom

Ich selbst liebe das geschriebene Wort. Bereits in der Schule konnte ich mich wunderbar für „Deutsch“ begeistern: Grammatik, Orthographie, Lyrik, Prosa – immer her damit! Ich beschäftige mich gerne mit der deutschen Sprache und analysiere (und korrigiere im Geist) gerne meines Gegenübers Sätze. Warum formulieren wir die Sätze so, wie wir sie formulieren, was steckt dahinter? Was wollen wir mit gewissen Aussagen bezwecken? Warum zum Teufel sagen wir zum Beispiel: „Ich glaube ich werde heute zu Hause bleiben.“ – obwohl wir uns längst dafür entschieden haben auch tatsächlich zu Hause zu bleiben. Wir müssen nicht auf das Futur zurückgreifen, noch dazu in Verbindung mit einem so unsicheren „glaube“. ICH BLEIBE HEUTE ZU HAUSE. Punkt. Unter uns: So schwierig ist das nicht.

Und seit wann haben wir alle Thematiken und Problematiken? Reichen die Themen und Probleme der heutigen Zeit denn nicht mehr aus?

Da ich jedoch nicht vom Thema abschweifen will, zurück zum Grundgedanken:
Ich fühle mich beinahe persönlich angegriffen, kommen mir Rechtschreib- und Grammatikfehler unter. Am liebsten würde ich den/die Verfasser/in falscher Texte/Zeilen/Wörter sofort darauf hinweisen. Ich gehe so weit zu behaupten, der Monk der deutschen Sprache zu sein – zumindest freiberuflich.

Ich darf euch an dieser Stelle meine schlimmsten Schlimmigkeiten der Falschheiten der deutschen Sprache vorstellen:

Warum mag bloß niemand mehr das scharfe „S“? Das arme Kerlchen ist ganz traurig, da es so oft vernachlässigt und einfach gegen das starke doppel „S“ ausgetauscht wird. Seit Jahren immer mehr verdrängt, fristet das scharfe „S“ ein trauriges Dasein. Selbst auf der Tastatur bekommen Sonderlinge wie das „Y“ oder „Ä“ einen Platz. Das scharfe „S“ hingegen muss sich in der Zahlenreihe einreihen. Dabei haben wir so viele tolle Wörter, in denen es noch vorkommt:

Spaß! Gruß! Fuß! Maß! Gefäß! Etc… über 9.500 Wörter gibt es, die immer noch mit „ß“ geschrieben gehören.
Und um Himmels Willen die Straße schreiben wir bitte immer noch mit „ß“! Wir leben hier in Österreich und nicht in der Schweiz!

Ebenso beliebt wie das Weglassen des „ß“ scheint das generelle Verdoppeln von Ausdrücken zu sein. Jaja, Tautologien in Hülle und Fülle! Womöglich trauen wir auch einfach unserem Gesprächspartner nichts zu und verstärken, ja betonen, unsere Aussagen einfach derart stark, damit auch wirklich alles glasklar und eindeutig ist? Der weiße Schimmel lief so lange im runden Kreis bis er starb und man seine tote Leiche am grünen Gras fand. (…!)

Ein weiteres Schreckenskapitel im Lexikon des Abscheulichen handelt von der Wahrscheinlichkeit falsch gesetzter Apostrophe. Diese liegt, ganz nebenbei erwähnt, bei gefühlten 97 %.
Der falsch gesetzte Apostroph ist deshalb so heimtückisch, da er gerne mit absoluter Absicht und erst nach minutenlangem, angestrengtem Nachdenken gesetzt wird – und dann mit Sicherheit falsch.

Meine Lieblingskatebuch brille textmarkergorie: Das falsche Auslassungszeichen! Mit Vorliebe interpretiert die deutschsprachige Gesellschaft Auslassungszeichen zwischen Wortteile, die es gar nicht gibt. Es heißt ganz einfach: fürs, ins, durchs, und ans. Auch findet man den falschen Apostroph gerne bei Imperativen – obwohl er da genauso wenig hingehört.  „Geh!“ „Sag mir wie du heißt!“ „Teil mir mit, wenn du noch etwas benötigst.“ etc.  –um nur einige Beispiele zu nennen. Der Apostroph gehört erst dann gesetzt, wenn es sich tatsächlich um eine Auslassung handelt: „Ich geh‘ heute ins Kino.“

Falscher Apostroph Teil 2: „Möchtet ihr kalte Drinks? (Drink’s ist leider falsch!) Bitte verwechselt die Pluralform nicht mit dem Genetiv des Englischen!

Die Moral von der Geschicht‘: Bücher kaufen alleine hilft dir nicht! Lesen sollte man sie auch, dann geht es auch mit der Rechtschreibung bergauf!

Haltet den Rotstift stets griffbereit!